
Frühlingsblumenwortgirlande
Wenn im März die Becher schlottern,
und im Schnee die Glöckchen läuten,
gelbe Blümchen sumpfig dottern,
kann dies Frühling nur bedeuten.
Wenn im Busch die Röschen winden,
und der Bock in Scharen krautet,
wenn sich V und Eilchen finden;
Frühling unser Motto lautet.
Wenn die Trauben hyazintheln,
und die Wurzeln stinkig niesen,
wenn die Bären weisslich läucheln;
Frühling, Frühling – er will spriessen.
Wenn es schlüsselt, gelb, das Köpfchen,
und die Narren duftend zissen,
grünen Beet und Blumentöpfchen,
will Frühling bunte Flaggen hissen.
Wenn die Spornen lieblich lerchen,
und die Wiese Kräuter schäumt,
huft der Lattich in den Pferchen,
Wald und Beet vom Frühling träumt.
Wenn sie blühen, Milz und Lunge,
weisse Tauben waldig nesseln,
zeigen Löwen Zahn und Zunge,
sprengt der Frühling Winterfesseln!
© Björn Lindt
Glockenschweigen
bettet vorösterlich seinen
Leib – geschunden
verhöhnt durch Jahrtausende
zum Götzen geadelt
in die Schuhe geschoben
Scheiterhaufen – Gralsuche – Kriegsgeschrei
missionarischer Indianertod
bete und arbeite
Sitzend zur Rechten
in Windeln gewickelt
ein Kind – Leichentuch auf
Golgatha
Auf Gräbern strecken
Osterglocken sich empor
goldblühend
© Elsa Rieger

und wachst du
... und wachst du
über meine nacht
mit warmer hand
an meinem nacken
und strömt aus
deinen braunen augen
eine wurzel mir
ins herz, das sich
wie frisch gepflügte äcker
dem durchdringen öffnet
und ist sie fruchtbar
meine erde – und blüht
so neu was kürzlich
erst zu welken schien
© Beatrix Brockman

nacht des heiligen trifun
nachts umher ging und schrie
so traurig: küssen wollt
unter zweigen ich
wo man die augen offen
bis zu himmel
schlafen kann
die nacht als sie sterne
in den wimpern trug
unerwartet: sie versank
im zarten birkenbaumschatten
dass mein herz
für immer gebrochen
© Miroslav Dusanic

Abendstimmung
Wenn die Sonne kraftlos in das Nichts versinkt
und mit letztem Glanze Abendstimmung bringt,
deckt die Welt sich zu, mit Sehnsuchtsschleiern,
und der junge Abend ringt in stillen Feiern
mit des Tages letztem Atemzug;
abgestreifte Hektik dieser Zeit -
tiefe Ruhe, Frieden, Einsamkeit.
Nur noch Schweigen ringsumher,
und die Schatten huschen durch das Meer
letzter Taggedanken.
© Gisela Seidel

Schneeglöckchen
's war doch wie ein leises Singen
In dem Garten heute nacht,
Wie wenn laue Lüfte gingen:
"Süße Glöcklein, nun erwacht,
Denn die warme Zeit wir bringen,
Eh's noch jemand hat gedacht." -
's war kein Singen, 's war ein Küssen,
Rührt' die stillen Glöcklein sacht,
Daß sie alle tönen müssen
Von der künftgen bunten Pracht.
Ach, sie konntens nicht erwarten,
Aber weiß vom letzten Schnee
War noch immer Feld und Garten,
Und sie sanken um vor Weh.
So schon manche Dichter streckten
Sangesmüde sich hinab,
Und der Frühling, den sie weckten,
Rauschet über ihrem Grab.
Joseph Freiherr von Eichendorff
1788-1857

Mal mir den Morgen
mal mir den Morgen in Pastell
mit rosenroten Wangen
lass seine Augen leuchten
hinter Wolkenwimpern
und locken mich
in deinen Tag
den Abend aber tauch in Aquarell
bis Blau verschwimmt in Nacht
dass Farben fließen
in das Dunkel
und Stille breitet sich
in uns
© Uta Lösken

Vogelfrei
ich hatte Besuch heute
ein stolzer Vogel
saß im Baum
jenem Baum
den ich auserkoren
meiner zu sein
unter all denen
die wachsen
der Vogel hüpfte von Ast zu Ast
mit geschwollener Brust
unablässig und eifrig
doch ohne Hast
als ich die Augen schloss
um sie Tage später
wieder zu öffnen
war der Vogel
mit mir geflogen
durch all die Träume
bitteren Salze
hatte sich niedergelassen
in einem Baum
einem anderen
nicht meinem
stolz eifrig und ohne Hast
hüpfte er von Ast zu Ast
© Julietta Fix

und wird ein warten sein
ich glaube
dass sich ein schweigen
aus der zeit wintert
wo in der weite
der nacht ein atmen
durch kälte streift
und halt macht
vor gesplitterten
träumen
in denen laub
sich hügelt
neben den wegen
und jeder schritt versinkt
in gedanken an morgen
und an dich
sehnsucht windet sich
durch zäune
sucht verwittertes
zu durchdringen
und lockt das auge
mit dem versprechen
satter farben jenseits
des wartens
etwas bleibt
hinter dem gewissen zurück
nur der blick auf den tag
der vor allem war
behält hoffnung in sich
einen beginn
der stets aufs neue
alles vorenthält
© claire delalune
Als Hörversion
gesprochen von Elsa Rieger

es war ein gutes jahr
es war ein gutes jahr
auf dieser insel
die von der welten kriege
noch verschont
die aufgabe des friedens
zu erfüllen
zu hegen und zu pflegen
ihn wo er gedeiht
im innern
zu tragen ihn als fackel
in die nacht
der unzufriedenheiten
hader und streit
den raum zu nehmen
mit liebesglut
die lust und wollen
in das blut des lebens pumpt
© evelyne w.
weihnachtsklang
traut trägt der glocke klang
das lied der weihnacht
über der dächer glitzernd weiß
frieden ward
als augenblick geboren
steigt still empor
zum firmament der hoffnung
flicht einen sternenstrauß
um tiefster täler dunkel
zu erhellen
ein summen dringt
in angstverklebte ohren
aus mündern schwillt
ein chor der zuversicht
breitet die arme aus
und gebt der botschaft heimat!
traut trägt der glocke klang
die weihnacht dann in euer herz
© evelyne w.
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liebe lyrikfreunde!
wir bedanken uns
für die begleitung durch das jahr
und wünschen euch allen ein
friedliches weihnachtsfest und
ein tolles neues jahr!

Weihnachtslied, chemisch gereinigt
Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man's bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist's noch nicht so weit.
Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.
Lauft ein bisschen durch die Strassen!
Dort gibt's Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.
Tannengrün mit Osrambirnen -
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt's an Holz!
Stille Nacht und heil'ge Nacht -
weint, wenn's geht, nicht! Sondern lacht!
Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt für's Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit...
Ach, du liebe Weihnachtszeit!
Erich Kästner
1899-1974
Zärtlich ... aber nicht nur
Plätschern
Wie Wasser im Bach
Flüstern
Wie Wehen ganz leicht
Streicheln
Daunenfederzart
Und dann
Wilde Wasser
Beißende Stürme
Ein Fassen und Greifen
Flutendes Stöhnen
Dem zärtlich Verwöhnen
Folgt lüsterner Tanz
© Wolfgang Schulze

Frühlingshafte Gedanken im Herbst
die Natur erinnert
an Blüten im Regen
an Tautropfen im Gras
an Liebe im Herbst -
es ist wie Aufbruch
ist Frühling, Liebe
Erfüllung und Glück
Himmel und Erde
Tag und Nacht
herbstzeitdenkende Frucht
tief hast du gewurzelt
im frühlingshaften Schatten
© Ursa