
Gesang der Krähen über dem Feld
Wind, du,
wirf dich unter uns,
zerreiß uns
und trag
unsre Schreie davon.
Wolken sind wir,
wenn wir Schatten werfen.
Regen sind wir,
wenn wir niederfallen.
Erde sind wir
reglos
auf den Schollen der Felder.
Kinder des Frostes,
Geschwister des Nordwinds.
Gellend - unser Rufen,
rauschend - unser Flug.
Sehet, wir sitzen
zur Linken und Rechten
der Nacht
und tragen auf unseren Schwingen
das Winterlied
der Finsternis.
Kind, sei wachsam!
Wir fliegen
dir
entgegen.
© Ilka Lohmann

Wir gehen am Meer im tiefen Sand
Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
Die Schritte schwer und Hand in Hand.
Das Meer geht ungeheuer mit,
Wir werden kleiner mit jedem Schritt.
Wir werden endlich winzig klein
Und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.
© Max Dauthendey
1867-1918

nachtschichten
wie sorglos wogt mein schlaf
im submarinen garten deiner arme
wo die harten konturen
der tage lichtdurchlässig sind
wachsen ringe von nachtschichten
um den zerträumten panzer
meiner jahre und du sprichst in
fremden sprachen wörter
wie saturngetreue
heliotrop
und
monamur
© Elke Nachtigall

Fortleben
Gesternwind raunt
unscheinbare Wiegenlieder,
an dein Ohr und vorbei,
vorbei ins Erkennen
zieht die Laune der Natur,
das Greisen.
Es zieht dich fort,
hinein –
in die nächste Strophe.
Worte ändern sich,
formen sich neu,
auch der Mund,
ist ein Anderer.
Er hält die Töne,
nur faltig,
bevor sie sich vergraben,
in lächelnde Furchen,
gewachsen -
aus Kummer, Denk und Freude.
Eine gute Mischung,
eine menschliche - liebe.
Klang legt sich von Muscheln,
auf kleinere Zungen,
glättet sich im Kindermund,
und der Schall trägt.
Melodien vergehen nicht,
wohl des Sängers Körper,
und doch bleibt er,
lebt fort -
im Sang der Nachkommenden
raunt Gesternwind Wiegenlieder.
Birute Rosemann

An meine Verse
Ich weiß nicht,
welchen Weg ihr gehen werdet.
Ins Ungewisse
jag ich euch hinaus.
Ihr seid durch mich
und seid durch mich gefährdet,
Und bleibt bei mir,
bleibt hier zuhaus.
Die leichteren von euch
verschwinden wie der Wind,
Sind leere Silben,
einfach fort getragen.
Die tiefen lieb ich,
wie mein eigen Kind,
Sie reifen noch
und wollen Wurzeln schlagen.
© Paul Spinger

Liebeswehen
Ein zartes Wehen geht über mein Haar
wenn ich an deinen Atem denke
wie er lebt wenn du bei mir
in der Bucht meiner Arme liegst
höre ich die Wellen des Meeres
und versuche zu vergessen
was unserer Zukunft schmerzt.
Mag alles hinweg sein im Düstern des Kommen
bleibt doch die Sonne des Gewesen in uns.
© Fabian Tietz

Sängerleben - Intermezzo
Wohl vor lauter Sinnen, Singen
Kommen wir nicht recht zum Leben;
Wieder ohne rechtes Leben
Muss zu Ende gehn das Singen;
Ging zu Ende dann das Singen:
Mögen wir auch nicht länger leben.
Joseph Freiherr von Eichendorff
1788-1857
Am 16. Juni 2008
erscheint der nächste Band
aus der
Edition LyriArte
des hs-LiteraturverlaGes

ela02-Taschenbuch
104 Seiten
ISBN 978-395019617X
Ins Wolkenlicht geschrieben ...
... werden flüchtige Eindrücke zu Momenten des Innehaltens.
Den Blick richten auf die Glasscherbe am Wegrand.
Den Duft sonnenbeschienener Kräuter einatmen.
Dem Ruf der Kraniche in der Nacht lauschen.
Die Gedanken treiben lassen.
In sich hinein spüren.
Beobachtungen im Alltag, unspektakuläre Kleinigkeiten
werden so zu Augenblicken, die uns Zeit schenken für uns selber.
Gedichtband erhältlich im Onlineshop des Verlages
bei Amazon und im guten Buchhandel
Ich bin stolz darauf, Gedichte von Uta Lösken
auch in der Lyric-Gallery präsentieren zu können.
Die Autorin freut sich über Feedback, hier und auf ihrem Blog Auf Travellers Pfaden.

aufblühen
spreng die Stachelhülle
öffne dich
zeig mir
die Vielfalt deiner Farben
lass sie strahlen
vertraue mir
ich werde dich
nicht pflücken
© Uta Lösken
anzuhören als mp3, gesprochen von der Autorin

Es gibt nichts Schöneres als Frau sein
Es gibt nichts Schöneres
als Frau sein
Frau
Und nichts anderes als Frau
Nicht Kind
und auch nicht Mütterlein
Frau
Und nichts anderes als Frau
Jederzeit und überall
Und dabei vollkommen egal
Ob allein oder mit dir
Ob mit ihm oder mit ihr
Es gibt nichts Schöneres
Weil als Frau
man alle Männer lieben kann
In ihnen allen
den einen Mann
Und in dem einen
alle liebt
Wenn man als Frau
die Liebe gibt
Als kleines Püppi
liebst du Väter
Als Mutter
liebst nur Söhne du
Doch als Frau
Väter und Söhne
Und ihre Männlichkeit dazu
Und ich
lieb sie einfach alle
Bübchen
Helden
und das Tier
Ich habe meinen Sinn gefunden
Denn so
lieb ich
die Frau in mir
© Evelyne Weissenbach
Ich freue mich sehr, vermelden zu können, dass das Konzept der Lyric-Gallery
in ein Projekt des hs-LiteraturverlaGs übernommen wurde:

Mit der
Edition LyriArte
will der
hs-LiteraturverlaG
ein kreatives Projekt starten,
das Genüsse verschiedener Art bietet:
Ein kleines, feines Label für ausgesuchte Lyrik
in Verbindung mit moderner Malerei.
Der Qualitätsanspruch ist hoch,
doch liegt der Ehrgeiz für diese Edition darin,
besondere Lyrik in ästhetischer Präsentation
zum erfreulichen Preis anzubieten.
Den ersten Band gibt es
seit 15. Mai 2008
im Onlineshop des Verlages
bei Amazon und im guten Buchhandel
ela01-Taschenbuch
106 Seiten
ISBN 978-3950196153

Gedichte von Nähe und Weite
Sie sind voller Melancholie, die Gedichte von Kathrin Metz;
dabei sind sie von solcher Schönheit,
dass die Bilder und Gefühle, die sie hervorrufen,
als Stimmungen und Befindlichkeiten für jeden nachvollziehbar werden.
Die Gedichte von Kathrin Metz begeistern,
im Internet veröffentlicht unter dem Pseudonym Claire.delalune,
bereits seit langer Zeit viele Lyrikgenießer.
Ich bin stolz darauf, Gedichte von Claire.delalune
auch in der Lyric-Gallery präsentieren zu können.
Die Autorin freut sich über Feedback, hier und auf ihrem Blog Raumwelten.

Kindheitstage
Die Sonne neigt sich,
goldene Frucht.
Es ist,
als wäre ich noch einmal Kind –
unbefangen und sorglos.
Die Ähren wiegen
sich im blauen Wind.
Alles wovon ich träumte –
ein Buch in meiner Hand
und noch wenige andere Sachen –
Seifenblasen
(nicht rot – nicht weiß)
zerplatzt am Grashalm gleich
hinter unserem Haus.
Nur in meinen Träumen
bin ich noch ich.
Erkennst du mein Gesicht?
Auch dieser Sommer wird vergehen.
© Tobias Renk

Komm in die Wälder
im Gezweig der Nacht
zerfließt mein Atem
im aschblauen Äther;
mein Ich ist versunken:
aufgereihte Schatten gleiten
über Adonishügel und lichte Auen
ins Ungewisse
im Tanz der Gestirne
stöbern unbezähmbare Winde
durch nebelverhüllte Wasser;
mein Ich ist versunken:
... alles fließt
– und nichts hat Bestand
: das Schweigen ist in mir
© Konstanze Petersmann

Wenn
alle Küsse gegeben sind,
alles Streicheln vorüber ist,
wenn ich in mein Kissen sinke,
Deinen Duft und Deine Wärme
in mich aufgenommen habe,
dann liegt keine Last der Welt
auf meinen Schultern,
alles ist leicht
und ruhig
und schön.
Das ist Glück.
© Werner Rohrmoser