weihnachtliches

Weihnachtslied, chemisch gereinigt
Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man's bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist's noch nicht so weit.
Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.
Lauft ein bisschen durch die Strassen!
Dort gibt's Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.
Tannengrün mit Osrambirnen -
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt's an Holz!
Stille Nacht und heil'ge Nacht -
weint, wenn's geht, nicht! Sondern lacht!
Morgen, Kinder, wird's nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt für's Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit...
Ach, du liebe Weihnachtszeit!
Erich Kästner
1899-1974

weihnachtsweiß
weiß liegt der schnee
schnee-weiß!
die graue stadt ist fern
und auch der trubel
das gedröhn
die hast
und ihr gestöhn
die ruhe wächst
aus schneebedecktem wein
mein herz
es atmet stille
mein blick sieht freiheit
schönheit
winterliche pracht
und tief aus mir
blüht weihnachtsfrieden
in die heilige nacht
© evelyne w.
liebe lyrikfreunde!
euch allen ein
friedliches weihnachtsfest und
ein liebevolles neues jahr!

Weihnachts-Sternzeichen
Der Stern meiner Liebe
wacht über dem Christkind
Und funkelt und strahlt
hinaus in die Nacht
Und er strahlt zurück
wieder in meine Augen
Und ich spüre
wie er in mir Wärme entfacht
Vertraut und klar
Wie jedes Jahr
Wenn ich die Freude
der Weihnacht erlebe
Weil ich ihr den Sinn
in der Liebe gebe
Dann seh ich den Himmel
Und in seinem Dunkel
erstrahlt ein helles Sternengefunkel
Weil nicht nur mein Stern
das Christkind bewacht
So erfahre ich
das Wunder der Hl. Nacht
Und Frieden breitet sich in mir aus
Stille und Ruhe erfüllen mein Haus
Ich höre jubelnden Engelsgesang
Und schaukle im leisen Glockenklang
sicher in meiner Lebenswiege
Weil ich am Weihnachtshimmel der Liebe
fand das trostreiche Bewusstsein
Ein Stern
unter vielen Sternen
zu sein
Nur so
ist die Finsternis zu besiegen
In deren Angst wir sonst verglühen
Im eigenen Glanz
die anderen zu sehen
Und mit ihnen
in die Liebe zu ziehen
Drum leuchte
du Stern
Und gib dein Licht
So hell du nur kannst
Und erlösche nicht
Aus Scham über jene
die dich nicht erkennen
Und deshalb in ihr Verderben rennen
Strahle und funkle
hinaus in die Nacht
Damit in uns allen
der Mut erwacht
Voll Demut
dort Frieden anzunehmen
Wo er sich unserem Dasein gibt
Und Liebe zu geben
Wohin wir es können
Denn nur so
wird der Hass in der Welt besiegt
Dann
ist das Wunder der Weihnacht vollbracht
Lasst uns folgen
dem Stern
der Hl. Nacht
© evelyne w.


Das Jesuskind
„Ihr lieben Kinder, seht und staunt,
kommt zu dem Krippelein!“,
so lud der Pater Guardian
seine Besucher ein.
Die Kinder stürmten freudig vor
zur Krippe, deren Macht,
umglänzt von hundert Lichtern strahlt´
in hochbarocker Pracht.
Allein ein blonder Knabe blieb
zurück, da er fast lahm,
auf seine Krücke hart gestützt,
nur langsam vorwärts kam.
Sehnsüchtig blickte er nach vorn´,
wo er der Krippe Schein
vermutete. Doch sah er nichts
und blieb für sich allein.
Da ließ vom Kirchenfenster her,
hoch unterm Kapitell,
ein Sonnenstrahl des Himmels ihn
erglühen rein und hell.
Die Armut der Gebrechlichkeit,
als trauriger Befund,
wies ihm durch dieses Licht den Weg
zu seiner Seele Grund.
Und seiner Locken gold´ne Pracht
erglänzte nun so lind,
als wäre er durch Himmelsmacht
wohl selbst das Jesuskind.
© Harald Gattermair


Weihnachten
Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wundervoll beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld,
hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigt's wie wunderbares Singen -
o du gnadenreiche Zeit!
Joseph Freiherr von Eichendorff
1788-1857


Weihnachtslied
Frost klirre Glas!
Eisblumen blühn.
Raureif im welken Gras
Sprüht feurig Grün.
Fuchs, Has' und Reh
Hüllt warm das Winterfell.
Bald fällt ein Schnee
Und macht die Nächte hell -
Wiesel wird Hermelin.
Dompfaff ans Fenster pickt.
Herr, mach auch ihn
Warm wie von Woll' umstrickt.
Laut unser Weihnachtswunsch
Beim roten Toddyglas:
Schenk jedem Bettler Punsch
Und jedem Vogel Fraß!
Viel Brüder schweifen weit
In deiner Nacht verirrt.
Schaff uns die Zeit,
Wo jedem Heimat wird.
Schick uns die Not,
Eh' unser Herz erschlafft.
Gib täglich Brot
Jedem, der sich's erschafft.
Schür uns die Freud'!
Hell brennt die Sonn' ins Feld!
All sind wir reiche Leut'
Auch ohne Geld!
Hilf, dass der rechte Mann
Die rechte Frau sich find',
Und segne beiden dann
Ein Krippenkind.
Carl Zuckmayer
1896-1977