
Frühlingshafte Gedanken im Herbst
die Natur erinnert
an Blüten im Regen
an Tautropfen im Gras
an Liebe im Herbst -
es ist wie Aufbruch
ist Frühling, Liebe
Erfüllung und Glück
Himmel und Erde
Tag und Nacht
herbstzeitdenkende Frucht
tief hast du gewurzelt
im frühlingshaften Schatten
© Ursa

Herbstnah
Von einander gelassen
ertrinken wir in Leere.
Erde zerfließt, wird
zum Sandmeer.
Der Baum darin,
Treibholz.
Worte sind ohne Ufer,
um Augen kreisen Ringe.
Unsere Spuren
versinken
mit dem Sommer.
Haltlos.
© Elke Kaminsky

Lotosblume
Wahrhaftig, wir beide bilden
Ein kurioses Paar,
Die Liebste ist schwach auf den Beinen,
Der Liebhaber lahm sogar.
Sie ist ein leidendes Kätzchen
Und er ist krank wie ein Hund,
Ich glaube, im Kopfe sind beide
Nicht sonderlich gesund.
Sie sei eine Lotusblume
Bildet die Liebste sich ein;
Doch er, der blasse Geselle,
Vermeint der Mond zu sein.
Die Lotusblume erschließet
Ihr Kelchlein dem Mondenlicht.
Doch statt des befruchtenden Lebens
Empfängt sie nur ein Gedicht.
Heinrich Heine
1797-1856

Erwachen
der Morgen
kalt
so kalt
dass Nebelschleier
durch das Tal sich ziehen
ohne Kraft
zur Sonne aufzusteigen
die Sonne
tief
so tief
verborgen hinter Hügeln
zaghaft
hebt sie sich
und blinzelt über Blätter
die Blätter
starr
so starr
von Frost gesäumt
mit weißen Perlen
die im Schein der Sonne
klare Tropfen werden
© Uta Lösken

Vor der Stille
Aufbäumen
in Glut ehe der Saft
ihn verlässt
letztes Erinnern
an rauschende Hitze
und Küsse beschützt
im dichten Grün
fällt bald wie Tränen
dem Frosthauch anheim
welkend belebt er die Erde
© Elsa Rieger
herbst bist du
schemengleich
ein bunter hauch
dein lächeln
das so endgültig
verweht den sommer
der nicht mehr der unsre war
raureif glänzt
auf deinen lippen
die krähe krächzt
dein lied
durch die nebel
meiner sinne
eine letzte träne
fällt aus dem licht
der heiterkeit
du bist der herbst
und warst es schon
im frühling
© lylo

Mit den Jahren kommt der Herbst näher ...
Vor Zeiten wagte er sich kaum über den Horizont,
schickte vielleicht einen Silberfaden vorbei
und ließ - vom Wind verweht – ein welkes Blatt
in meinen Garten fallen.
Viel Zeit war nicht vergangen, da sah er von Ferne zu mir herüber.
Er wohnte wohl auf den Bergen, nahe der Stadt.
Gelbrot und braun zwinkerte er durch das Laub
und trug dem Wind auf, erdige Süße zu mir zu tragen –
eine Verheißung verbunden mit Dankbarkeit.
Einige Jahre später
färbte der Herbst schon den Weg bis zum Haus –
eine Allee flammender Zeugen seiner Gegenwart.
Er weinte, als ich dem nicht genügend Beachtung schenkte
und verbarg seinen goldenen Glanz
hinter schweren Wolkenvorhängen.
Nicht lange danach
ließ er sich ganz und gar in meinem Garten nieder:
Die Bäume bogen sich unter der Last reifer Äpfel,
rotes Weinlaub schmückte die Fassade der alten Laube.
Sein warmer Atem berührte die Rosen,
so dass sie noch einmal mit aller Kraft
ihren süßen Duft verströmten.
Dieses Jahr nun ist der Herbst
noch näher getreten.
Ich erwarte ihn bereits in meinem Haus.
Verwelkendes bringt er mit sich,
die letzte Ernte, schweren Erdgeruch
und Tränen unter grauem Himmel.
Horch,
er stürmt schon
herein. -
Wenn er vor meinem Bett steht,
dann gehe ich…
© claire delalune

Stillleben
Teichlinsen treiben
zwischen Stengeln
Sumpfgeborene
auf denen deine
Blüten zarten Duft
verströmen
deine Farben
mir den Alltag
bunten
Bambus flüstert
mit den Wasserläufern
raunt der Seerose
ein Kompliment
die ihre Blätter
breitet
unter rosa Blicken
einer Tamariske
so viel Stille
so viel Leben
© Uta Lösken

Momentenspuren
Lücke liegt
neben Leichtigkeit
voller schwebender
Zuversicht.
Nein, ich dachte es ohne Ehrlichkeit
zu mir selbst und vor allem
zu Dir.
Und ich will nicht vergessen
den Kuss auf der Bank
auf blassem Grün
in salzigem Blau.
Nur immer schwelgen
im Fliedergold
zu sehen die
Bilder des Glücks
Leuchtendes Flimmern
umrandet mein Gewesenes
Spürst du es?
So klar wie im Jetzt
stirbt der Moment
und erwächst nie mehr.
© Fabian Tietz

Wenn
Wenn jetzt die Sommer wären,
Würden wir spielen:
Auf schöner Schaukel -
Erde atmen,
Kinder sein.
Jetzt die blauen Flüge -
All unsre Kraft,
Frei die Gestirne.
Horizont fühlen:
Mutig!
Unendlichkeiten:
Neu umsponnen,
Aufgestiegen -
Ins Sein gefallen:
Bewusst-Sein
© Bruno Meier

Aus der Bahn geworfen
Ich habe
mich geirrt
Die Sonne geht
nicht
jeden Tag auf
Sie verliert sich
manchmal
in dem großen
Etwas über uns
Dort konnte ich die
Sterne doch in einer
Nacht zählen
alle in einer Nacht
Meinst du ich werde mich
nochmals irren
wenn ich sage dass
du immer bei mir sein wirst
Meinst du?
© Anne Michallik

Von dir lachen noch meine Träume
Dein Leib ist reich gewirkt
wie ein Feld voll Honig und königlicher Blumen
Und kommt weich und heimlich
wie der Mond in mein Bett.
Von dir lachen noch meine Träume
und bewachen dich.
Und wie die Hähne kämpfen mit erhitztem Sporn,
So töt' ich den, der dich im Traum begehrt.
© Max Dauthendey
1867-1918

Das ist Glück
An dich zu denken
wie du warst
Und nun
entfernt
und doch so nah
zu spüren
wie du warst
An der Erinnerung
mich stärken
und sie herübertragen
in das Jetzt
wo du nicht bei mir bist
Und so zu spüren
wie du bist
Nicht
wie du warst
© evelyne w.

don quixote
wenn ich in dieser mittsommernacht
hinter deiner schlafzimmertür lauere
tollwütig von aufkeimender eifersucht glaube
eine unbestimmte traurigkeit aufzuspüren
wie ein held ewig abenteuer suchend
in leiden durch die wüsten von la mancha
aus dem wirrwarr der wünschen und gefühle
mir eine landschaft ausmale
widersinnig für dich all diese momente
der reiz einer sommeraffäre erstickt
ich stehe da auf der spur des versprechens
verschmäht und ausgelacht
© miroslav dusanic