Heute duftete der Tag nach dir


heute duftete der tag


Heute duftete der Tag nach dir

Heute duftete die Wiese nach dir
und im Baum sah ich dein Lachen
der Gartentisch verlangte nach
deiner Kaffetasse
und ein Veilchen schloß ihre Blüte
weil es dich nicht sah.

Heute hatte der Himmel das Blau
deiner Augen
und auf den Terrassensteinen malte
ich deine Schritte nach
bis ich mit den Händen in der Erde
deine Müdigkeit wiegte

Heute hatte der Abend sanftwarme
Stille
und die Sterne um das Blaunachtschwarz
glänzen dir zarte Träume
bis ich dich im Schlaf weiß.

© Christa Wandowski


moldau


moldau


moldau

so lebt man in einem fluss der seltsam endet und einen immer
weiterführt an dickicht vorbei durch fruchtbare böden und karges
land mit riesigen felsen und tödlichen schluchten durch flächige
verschlungene taiga trägt man menschen in booten und kann manche
nicht halten und sie treiben zum grund doch unaufhörlich schiebt eine
gewalt das wasser aus dem wir leben und bestehen manche hürden
nicht weil wir es wollen sondern gezwungen von pflichten die in
unserer einbildung verwurzelt verflechten wir uns häufig mit gestrüpp
am ufer das einen zu greifen doch meist nicht stark genug ist so
fließen wir weiter auch wenn es regnet wachsen wir an den tropfen
hängt noch salz welches uns durstiger macht nach dem hochmut der
fall der uns reifen lässt durch leben gibt man weiter hin wird immer
tiefer die vergangenheit erfahren bevor man sich hingibt


© fabian tietz

Rückkehr der Worte


rueckkehr der worte


Rückkehr der Worte

Hast du gesehen?
Das Schweigen
fliegt mit dem Wind
und Worte
greifen Raum.

Zwischen uns
die Stille
lebt…

© claire delalune

Segel am Horizont


segel am horizont


Segel am Horizont

Himmel
vor dem blau
ziehen die Segel
weiß und rot
am Horizont

Wellen
aus dem Meer
umspielen die Zehen
küssen den Strand
ziehen sich zurück
nehmen den Sand
unter den Füssen

Wind
in den Haaren
trägt die Segel
weiß und rot
am Horizont

winken
ohne ein Wiedersehen

© wortmeer

Siehe auch ich - lebe


siehe auch


Siehe auch ich - lebe

Also ihr lebt noch, alle, alle, ihr,
am Bach ihr Weiden
und am Hang ihr Birken,
und fangt von neuem an,
euch auszuwirken,
und wart so lang nur Schlummernde,
gleich mir.

Siehe, du Blume hier, du Vogel dort,
sieh, wie auch ich von neuem mich erhebe ...
Voll innern Jubels treib ich Wort auf Wort ...
Siehe, auch ich, ich schien nur tot.
Ich lebe!

Christian Morgenstern
1871-1914

Auf dem Rücken der Schmetterlinge


auf dem rücken der schmetterlinge


Auf dem Rücken der Schmetterlinge

Hast du den Mond gesehen -
müde schleppt er sich
durch kalte Nächte,
durch kahle Bäume
schickt er bleiches Licht.

Lichtjahrealtes
breites Grinsen,
trägt er in den Morgen.
Und deine Träume,
all die
nicht geträumten Träume,
wirft er fort.

Fortan
kehren sie im Sommerwind
auf dem Rücken der Schmetterlinge
zu dir zurück.

© Petra Kollwitz

Taufe


taufe

Taufe

Ruhig fließt der Fluss
der mein Leben reinigt
Mit Jubel
erfüllt mich das Lied der Au

Blitzblank ist meine Welt
wie frisch gestrichen
In leuchtendem Grün
und strahlendem Blau

Der Wind
streichelt mir die Seele glatt
Und ein Kuss des Herrn
streift mein Gesicht

Die Wolken
schreiben mir Liebesbriefe
Und golden umfängt mich
der Sonne Licht

Auf den Wellen des Flusses
in glitzernden Schleiern
tanzen die Feen der Ewigkeit

Und sie nehmen mich auf
in den Kreis ihres Tanzes
der unendlichen Liebe
und endlosen Freiheit

Und durch meine Mitte
fließt der ewige Strom
Und er gibt die Gaben
die er mit sich führt
In die Hand meines Lebens
Die sie verteilt
an Seele und Körper
Und an den
der sie spürt

Ruhig fließt der Fluss
der mein Leben reinigt
Ruhig
ist nun auch das Fließen in mir

Meine Welt ist blitzblank
voll glitzernder Farben
Und die Feen der Ewigkeit
tanzen zu dir

© evelyne w.

Pieta


pieta


Pieta

So seh ich, Jesus, deine Füße wieder,
die damals eines Jünglings Füße waren,
da ich sie bang entkleidete und wusch;
wie standen sie verwirrt in meinen Haaren
und wie ein weißes Wild im Dornenbusch.

So seh ich deine niegeliebten Glieder
zum erstenmal in dieser Liebesnacht.
Wir legten uns noch nie zusammen nieder,
und nun wird nur bewundert und gewacht.

Doch, siehe, deine Hände sind zerrissen-:
Geliebter, nicht von mir, von meinen Bissen.
Dein Herz steht offen, und man kann hinein:
das hätte dürfen nur mein Eingang sein.

Nun bist du müde, und dein müder Mund
hat keine Lust zu meinem wehen Munde-.
O Jesus, Jesus, wann war unsre Stunde?
Wie gehn wir beide wunderlich zugrund.

Rainer Maria Rilke
1875-1926

worterblühen


worterbluehen


worterblühen

zu manchen zeiten
weht mir ein wort zu
und blüht
zwischen den zeilen

ich möchte es pflücken
und legen
zwischen die seiten
meines lebens
behutsam
damit die blüte nicht vergeht


und
wenn es getrocknet
werde ich es netzen
mit einer träne
dann und wann

gedenken
der tage
die zurückliegen
und doch das glück
in mir zum leben erweckten


© claire delalune und hugin


Wie ich dich liebe





Wie ich dich liebe

Deine Grenzen zu erkennen
Deine Ränder zu küssen
Deine Zäune abzubauen
Deine Ecken zu umfließen

Deine Tiefen zu vertiefen
Deine Wege zu erkunden
Deine Abwässer zu klären
Deine Kanten abzurunden

Deine Höhen abzusichern
Deine Felsen zu verschieben

Das Licht der Welt
mit dir zu suchen
Das versteh ich unter
lieben

© evelyne w.

Und flüsterst du


und fluesterst du


Und flüsterst du

Und flüsterst du
mir Mitternacht ins Haar
und wärmst das Nackt
mit deinen Händen
Nicht Stern nicht Glanz
holst du herab
flichtst Zärtlichkeit allein
in unsere Glieder
Hältst so das Grau
der Tage fern, singst
mir ein Zart
auf meine Lider

© Beatrix Brockman

dieses gedicht gibt es
gelesen von der autorin
auch als mp3 zum anhören.

Achten


achten


achten

Sprich mir nicht
von Schicksalsfügung,
teile meinen Zorn!
Erzähl mir nicht
von Wunscherfüllung,
halte meine Trauer aus.
Sag mir nicht:
Alles wird gut,
lass mich einfach
weinen.

© elsa rieger

Für die Ewigkeit


ewigkeit



Für die Ewigkeit


Es könnte reichen...
Das Meer der Gelassenheit
flüstert sacht sein Wellenlied
durch meine Venen

Es könnte reichen...
Mein Bild von der Unsterblichkeit
bist du, so fremd und schön,
beständiges Geheimnis

Er könnte reichen
in die Ewigkeit
der Fluss jener Verlassenheit
der mich zu deinen Lippen trägt

Willst mir verraten wo du wohnst,
das weiß ich schon:
abgrundtief in mir.

© nicole paskow

Ich liebte dich


ich liebte dich


Ich liebte dich

Ich liebte dich: vielleicht ist noch bis heute
In meiner Brust dies Feuer nicht verglüht;
Doch will ich nicht, dass sich dein Schmerz erneute -
Nichts soll fortan erregen dein Gemüt!
Ich liebte dich mit hoffnungslosem Schweigen,
Bald schüchtern, bald durch Eifersucht betrübt;
Ich liebte dich so innig, so treueigen -
Gott gebe, dass ein andrer dich so liebt!

Alexander Puschkin
1799-1837
Übersetzung: F. Fiedler

Die LYRIC GALLERY

Liebe Lyrik-Freunde!
Leider habe
ich in den letzten Jahren
viel zu wenig Zeit
für diese Seite gefunden.
Deshalb werde ich sie nun
"einfrieren“.
Da aber so viele schöne
Texte drauf sind,
lösche ich sie nicht,
sondern bestücke sie
nur nicht weiter.
Viel Freude beim
Immer-Wieder-Lesen!

Eure evelyne w.

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