Schweigen auf Zimt
Du schwiegst so schön
da wollte ich nicht fragen
und meine Stimme
in das Schweigen legen
der Moment
er roch nach Zimt
und wilden Fantasien
stand – Sekunden nur
ganz still
als hätte er geliebt
© Christa Issinger
angelangt
ein schritt
ein sprung
gehüpft
gerutscht
getanzt
und
angelangt
im neuen jahr
© evelyne w.

Still
Im Schweigen
ruht die Stille
wenn Kerzen
dunkles Grün erhellen
statt Funkeltand
das Glitzern
im Auge des geliebten
Menschen ein Fest
der Freude ist.
Im Schweigen
ruht die Stille
wenn andere
diese eine Nacht
besingen und uns
ein Blick, ein kurzes
Streifen warmer
Finger den Frieden
näher bringt.
Im Schweigen
ruht die Stille
wenn unterm
Baum nur Liebe
liegt - wenn unsere Welt
ganz kurz verharrt
und wir den Sinn
der stillen Nacht
für uns begreifen.
© Beatrix Brockman

Kann denn der Mensch
sich auf Weihnachten freuen?
Kann denn der Mensch
Frieden mit sich machen
Wenn es doch rundherum gibt Krieg?
Kann denn der Mensch
die Liebe leben
Wenn es rundherum geht
nur um Niederlage oder Sieg?
Kann denn der Mensch
sich auf Weihnachten freuen
Wenn rundherum gemordet wird?
Kann denn der Mensch
glücklich sein
Mit der Angst
dass morgen die Welt er verliert?
Ja der Mensch kann!
Aber nur dann
Wenn der Mensch
Halt in sich selber findet
Wenn er sich mit Anderen
in Liebe verbindet
Wenn er den Frieden lebt
für den er zuständig ist
Wenn er dahin gibt
wo so vieles wird vermisst
So bringt er den Frieden in die Welt
So bringt er mehr Liebe
damit nicht so viel fehlt
Und indem er bekämpft seiner Seele Tod
Lindert er nicht nur seine eigene Not
Sondern auch die jener
deren Seele schon friert
Was nicht in seiner Verantwortung liegt
Daran muss der Mensch nicht leiden
Nur wo er die Selbstverantwortung abgibt
Lässt sich der Konflikt
Mit ihm selbst nicht vermeiden
Wenn der Mensch
den Platz
auf den ihn das Leben stellt
menschlich ausfüllt
Ist es nicht notwendig
dass er sich quält
Mit der Vorstellung
dass er das Los Anderer ertragen muss
Sein eigenes Los
ist von ihm anzunehmen
Dabei auf die Anderen
nicht zu vergessen
Und wenn er sich nicht einlullt
in Gedanken in bequemen
Kann mit wachem Bewusstsein
er seine Hilfe bemessen
Dann kann er auch
Weihnachtsfreude bereiten
Und nicht nur den Anderen
Sondern auch sich selbst
Denn wenn die Liebe
sein Herz lässt weiten
Dann ist
Jesus' Geburtstag
Für ihn das richtige Fest
© evelyne w.
dieses gedicht gibt es auf
lylos weihnachtslesungs-blog
auch als mp3 zum anhören.
herbstburg
das grün
steige ich hinan
leidenschaft
rinnt
in das leben
meines rots
sonniges glück
strahlt
in die burg
meines herbstes
© evelyne w.
Stille schon in den Senken
Wald.
Collage aus Licht und Schatten.
Getupftes Bunt.
Moosatem wächst im Relief seiner Wurzeln.
Höfe.
Wind wildert um die alten Gemäuer.
Zu ihren Füßen beginnt
die Zeit zu rasten.
Stille schon in den Senken.
Himmel.
Fliehende Wolkenskizzen.
Bald streut die Nacht
Schwarz in deine Augen.
Von Sternadern durchzogen.
Komm ins Haus, bevor der Himmel fällt.
© Gabriele Pflug
Der Zweifel
Als Ausdruck eines Wissens,
das tief, tief unterhalb
des eigentlichen Ist,
sich seine Tunnel gräbt.
Hinauf ins Unabänderliche,
das zweifellos erkennt,
worauf des Zweifels Grund
gegründet.
Doch weg, hinweg,
du schnöde Wirklichkeit.
Ich baue mir ein Nest aus
wie es mir gefällt und
scheiß auf alles Ist,
denn mir, mir ganz allein,
gehört das Reich der Märchen.
© Otto Lenk
zelt
sei der himmel
aus tiefviolett
das dach unsres zeltes
die wände nachgiebig
und dicht geflochten
aus liebe
und der alte uns
tragende boden
tiefer grundgedanke.
© Birgit Heid

Als er der Phillis einen Ring
mit einem Totenkopfe überreichte
Erschrick nicht vor dem Liebeszeichen,
Es träget unser künftig Bild,
Vor dem nur die allein erbleichen,
Bei welchen die Vernunft nichts gilt.
Wie schickt sich aber Eis und Flammen?
Wie reimt sich Lieb und Tod zusammen?
Es schickt und reimt sich gar zu schön,
Denn beide sind von gleicher Stärke
Und spielen ihre Wunderwerke
Mit allen, die auf Erden gehn.
Ich gebe dir dies Pfand zur Lehre:
Das Gold bedeutet feste Treu,
Der Ring, dass uns die Zeit verehre,
Die Täubchen, wie vergnügt man sei;
Der Kopf erinnert dich des Lebens,
Im Grab ist aller Wunsch vergebens,
Drum lieb und lebe, weil man kann,
Wer weiß, wie bald wir wandern müssen!
Das Leben steckt im treuen Küssen,
Ach, fang den Augenblick noch an!
Johann Christian Günther
1695-1723
Du
Wie lieb ich
deiner Stimme Klang
wenn sie zur Nacht
mir Brunnenworte spricht
und dieses Lachen
schattenlos
das sich auf meine Wangen legt
wenn ich voll Dunkeltönen bin
Wie neide ich dem Morgen stets
den Augenblick wenn du erwachst
und einen späten Blütentraum
dir lächelnd aus den Wimpern schälst
bevor die nachtgereifte Hand
das erste Licht des Tages greift
Du kleidest dich
in Rotmohnwind
und jeder könnt dich sehn
doch gibt es keinen /außer mir/
der dies zerbrechliche
Geheimnis kennt
© Monika Kafka
ohne worte
ein gedicht
aus schweigen gemacht
die nacht
hat ihren mond
ganz still
hervorgeholt
der wind
windlos gewollt
nur frischer duft
steigt aus
gemähter wiese auf
die zeit
nimmt still
ihren lauf
unverletzt
streicht
meine worte jetzt
denn nur aus schweigen
ist dieses gedicht
gemacht
© Edith Hornauer

Freundin
2.
Unter dem Plüschplaid, mich liebkosend,
Denk ich an gestern, an den Traum.
Was war das? Mein Sieg, dein Sieg? Bloß die
Besiegte Frau?
Ich überdenke alles, leide
Noch immer alles nochmals neu.
In dem, wofür's kein Wort gibt, keines!
War Liebe wohl dabei?
Wer war der Jäger? Wer die Beute?
So teuflisch alles und verrannt!
Was - lange schnurrend - wohl der Kater
Von alledem verstand?
In jenem Zweikampf zweier Willen
Wer war der Ball in wessen Hand?
Und wessen Herz - das meine, Ihres -
Ist plötzlich durchgebrannt?
Und - was nur war das? - immer wieder:
Was will man bloß, das dann nur trügt?
Ich weiß es nicht: bin ich die Siegerin?
War ich besiegt?
© Marina Zwetajewa
1892-1941
Lebenspuzzle
Gedanken - Puzzleteile
Tag für Tag
neu zusammengesetzt
sammle
verliere sie nicht
viele Teile - zuviele
immer wieder neu anfangen
nicht aufgeben
nachdenken
mal falsch zusammengesetzt
herausnehmen
wieder neu beginnen
liegen wir richtig
oder falsch -
ein Zwischending
gibt es nicht
entweder - oder
wir selbst entscheiden
© Bruni Markert


Vorfrühling
Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.
Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.
Er schüttelte nieder
Akazienblüten
Und kühlte die Glieder,
Die atmend glühten.
Lippen im Lachen
Hat er berührt,
Die weichen und wachen
Fluren durchspürt.
Er glitt durch die Flöte,
Als schluchzender Schrei,
An dämmernder Röte
Flog er vorbei.
Er flog mit Schweigen
Durch flüsternde Zimmer
Und löschte im Neigen
Der Ampel Schimmer.
Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.
Durch die glatten
Kahlen Alleen
Treibt sein Wehn
Blasse Schatten
Und den Duft,
Den er gebracht,
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.
Hugo von Hoffmansthal
1874-1929
evelyne w. - 25. Mär, 21:44