Das Jesuskind


Das Jesuskind
„Ihr lieben Kinder, seht und staunt,
kommt zu dem Krippelein!“,
so lud der Pater Guardian
seine Besucher ein.
Die Kinder stürmten freudig vor
zur Krippe, deren Macht,
umglänzt von hundert Lichtern strahlt´
in hochbarocker Pracht.
Allein ein blonder Knabe blieb
zurück, da er fast lahm,
auf seine Krücke hart gestützt,
nur langsam vorwärts kam.
Sehnsüchtig blickte er nach vorn´,
wo er der Krippe Schein
vermutete. Doch sah er nichts
und blieb für sich allein.
Da ließ vom Kirchenfenster her,
hoch unterm Kapitell,
ein Sonnenstrahl des Himmels ihn
erglühen rein und hell.
Die Armut der Gebrechlichkeit,
als trauriger Befund,
wies ihm durch dieses Licht den Weg
zu seiner Seele Grund.
Und seiner Locken gold´ne Pracht
erglänzte nun so lind,
als wäre er durch Himmelsmacht
wohl selbst das Jesuskind.
© Harald Gattermair
lyria - 21. Dez, 00:54
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