Reingewaschen


reingewaschen

Reingewaschen

Junger Frühlingsregen
hämmert auf meine Schultern
fließt die Arme hinab
kühl durchdringend
die Erinnerung
an all die toten Winterküsse
von dir, von ihm und ihm und...
meine Haut ist rosig und nass
keine Spuren zu sehen
die Lippen rubin und unberührt
Küsse die Luft zwischen den Tropfen
denke an nichts mehr als an das
Trommeln rings umher,
schmecke den Regen und fange an
die Wirklichkeit zu lieben

© Nicole Paskow

Rastlose Liebe


rastlose liebe

Rastlose Liebe

Dem Schnee, dem Regen,
Dem Wind entgegen,
Im Dampf der Klüfte,
Durch Nebeldüfte,
Immer zu! Immer zu!
Ohne Rast und Ruh!

Lieber durch Leiden
Möcht ich mich schlagen,
Als so viel Freuden
Des Lebens ertragen.
Alle das Neigen
Von Herzen zu Herzen,
Ach, wie so eigen
Schaffet das Schmerzen!

Wie soll ich fliehen?
Wälderwärts ziehen?
Alles vergebens!
Krone des Lebens,
Glück ohne Ruh,
Liebe, bist du!

Johann Wolfgang von Goethe
1749-1832

Und sprachen von Liebe viel


teetisch


Und sprachen von Liebe viel

Sie saßen und tranken am Teetisch
Und sprachen von Liebe viel.
Die Herren, die waren ästhetisch,
Die Damen von zartem Gefühl.

"Die Liebe muss sein platonisch",
Der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch
Und dennoch seufzet sie: "Ach!"

Der Domherr öffnet den Mund weit:
"Die Liebe sei nicht zu roh,
Sie schadet sonst der Gesundheit."
Das Fräulein lispelt: "Wieso?"

Die Gräfin spricht wehmütig:
"Die Liebe ist eine Passion!"
Und präsentieret gütig
Die Tasse dem Herrn Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
Mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
Von deiner Liebe erzählt.

Heinrich Heine
1797-1856

BLUE DRA


django


BLUE DRA

Django spielt seine sanften
Töne nässen mein Gesicht
Django spielt mit drei Fingern
zaubert er Töne die meine
Synapsen zum Vibrieren
treiben meine Wunden
zum Schmerzen bringen

kurz und hart spielt Django
seine Töne trocknen
mein Gesicht unverzeihlich
legt Stéphanes Geige süßen
Honig um Djangos Töne.

Django spielt seine sanften
Töne nässen mein Gesicht
Django spielt mit drei Fingern
hart die Illusion meines Lebens
Klänge wie klobige Diamanten
tropfen an mir herab und
beißen ins Gras.

© iggy

Suleika Nameh II


suleika2

Suleika Nameh
Auszug

Wie mit innigstem Behagen,
Lied, empfind ich deinen Sinn!
Liebevoll du scheinst zu sagen:
Dass ich ihm zur Seite bin;

Dass er ewig mein gedenket,
Seiner Liebe Seligkeit
Immerdar der Fernen schenket,
Die ein Leben ihm geweiht.

Ja, mein Herz, es ist der Spiegel,
Freund, worin du dich erblickt;
Diese Brust, wo deine Siegel
Kuss auf Kuss hereingedrückt.

Süßes Dichten, laut're Wahrheit
Fesselt mich in Sympathie!
Rein verkörpert Liebesklarheit
Im Gewand der Poesie.

Johann Wolfgang von Goethe
1749-1832

Amaryllis


amaryllis



Amaryllis

Komm, schöne glatte kalte goldne Schlange,
Auf die ich starker Schlangenwürger passe;
Du hast mit buntem Spiel um meine Straße
Dich zierlich schlängelnd hergewunden lange.

Komm, schmeidige, dass ich mit ehrnem Zwange
Dich fass und halt und nicht sobald dich lasse;
Wind du dich nur und krümm dich, giftig blasse,
Mir ist vor deinem süßen Gift nicht bange!

Wohlauf, mit allen deinen Schlangenkünsten,
Unbändig um des Feindes Leib dich ringelnd,
Mit Zähnen blinkend, sprühend mit den Zungen:

Lass sehn, wer von uns beiden hier mit Brünsten
Das andre wird bestehn, es so umzingelnd,
Dass es bekennen muss: Ich bin bezwungen.

Friedrich Rückert
1788-1866

Der Liebesmeerfisch


Liebesmeerfisch


Der Liebesmeerfisch

Wäre meine Liebe
eine Scheibe
wärst du darin
Sonne, Mond und Sterne

Wäre meine Liebe
ein Haus
wärst du darin
das Licht in allen Räumen

Doch weil meine Liebe
ein Meer ist
bin ich darin
dein Fisch

© evelyne weissenbach

Möchte rollend das Blut aller Verliebten sein


verliebt


Möchte rollend das Blut aller Verliebten sein

Ich möchte mir Freuden
wie aus roten Steinbrüchen brechen,
Möchte Brücken schlagen
tief in die Wolken hinein;
Möchte mit Bergen sprechen
wie Glocken in hohen Türmen,
Wie Laubbäume ragen
und mit den Frühlingen stürmen
Und wie ein dunkler Strom
der Ufer Schattenwelt tragen.
Fiel gern als Abenddunkel
in alle Gassen hinein,
Drinnen Burschen die
Mädchen suchen und fassen.
Möchte rollend
das Blut aller Verliebten sein
Und von Liebe und Sehnsucht
niemals verlassen.

Max Dauthendey
1867-1918

Licht und Schatten


licht und schatten


Licht und Schatten

Schwarz ihre Brauen,
Weiß ihre Brust,
Klein mein Vertrauen,
Groß doch die Lust.

Schwatzhaft in Blicken,
Schweigend die Zung',
Alt das Missglücken,
Wunsch immer jung.

Arm, was ich brachte,
Reich meine Lieb',
Warm, was ich dachte,
Kalt, was ich schrieb.

Franz Grillparzer
1791-1872

Wechsel


wechsel


Wechsel

Auf Kieseln im Bache da lieg ich, wie helle!
Verbreite die Arme der kommenden Welle,
Und buhlerisch drückt sie die sehnende Brust;
Dann führt sie der Leichtsinn im Strome danieder,
Da naht sich die zweite, sie streichelt mich wieder;
So fühl ich die Freuden der wechselnden Lust.

Und doch, und so traurig, verschleifst du vergebens
Die köstlichen Stunden des eilenden Lebens,
Weil dich das geliebteste Mädchen vergißt!
O ruf sie zurücke, die vorigen Zeiten!
Es küsst sich so süße die Lippe der Zweiten,
Als kaum sich die Lippe der Ersten geküsst.

Johann Wolfgang von Goethe
1749-1832

Zum Neuen Jahr


und immer


Und immer

Immer wieder
auf's Neu beginnen
Und immer wieder
lieben

Und immer wieder
geben
Und immer wieder
leben

© evelyne w.


Liebe Lyrik-Freunde!
Hiermit bedanke ich mich für eure Beiträge und Besuche
und wünsche euch einen guten Rutsch.

Ich freue mich auf ein Wiederlesen im Neuen Jahr!

Weihnachts-Sternzeichen


weihnachtssternzeichen


Weihnachts-Sternzeichen

Der Stern meiner Liebe
wacht über dem Christkind
Und funkelt und strahlt
hinaus in die Nacht

Und er strahlt zurück
wieder in meine Augen
Und ich spüre
wie er in mir Wärme entfacht

Vertraut und klar
Wie jedes Jahr
Wenn ich die Freude
der Weihnacht erlebe
Weil ich ihr den Sinn
in der Liebe gebe

Dann seh ich den Himmel
Und in seinem Dunkel
erstrahlt ein helles Sternengefunkel
Weil nicht nur mein Stern
das Christkind bewacht
So erfahre ich
das Wunder der Hl. Nacht

Und Frieden breitet sich in mir aus
Stille und Ruhe erfüllen mein Haus
Ich höre jubelnden Engelsgesang
Und schaukle im leisen Glockenklang
sicher in meiner Lebenswiege
Weil ich am Weihnachtshimmel der Liebe
fand das trostreiche Bewusstsein
Ein Stern
unter vielen Sternen
zu sein

Nur so
ist die Finsternis zu besiegen
In deren Angst wir sonst verglühen
Im eigenen Glanz
die anderen zu sehen
Und mit ihnen
in die Liebe zu ziehen

Drum leuchte
du Stern
Und gib dein Licht
So hell du nur kannst
Und erlösche nicht
Aus Scham über jene
die dich nicht erkennen
Und deshalb in ihr Verderben rennen

Strahle und funkle
hinaus in die Nacht
Damit in uns allen
der Mut erwacht
Voll Demut
dort Frieden anzunehmen
Wo er sich unserem Dasein gibt

Und Liebe zu geben
Wohin wir es können
Denn nur so
wird der Hass in der Welt besiegt

Dann
ist das Wunder der Weihnacht vollbracht
Lasst uns folgen
dem Stern
der Hl. Nacht

© evelyne w.

Weihnachtslied


weihnachtslied



Weihnachtslied

Frost klirre Glas!
Eisblumen blühn.
Raureif im welken Gras
Sprüht feurig Grün.

Fuchs, Has' und Reh
Hüllt warm das Winterfell.
Bald fällt ein Schnee
Und macht die Nächte hell -

Wiesel wird Hermelin.
Dompfaff ans Fenster pickt.
Herr, mach auch ihn
Warm wie von Woll' umstrickt.

Laut unser Weihnachtswunsch
Beim roten Toddyglas:
Schenk jedem Bettler Punsch
Und jedem Vogel Fraß!

Viel Brüder schweifen weit
In deiner Nacht verirrt.
Schaff uns die Zeit,
Wo jedem Heimat wird.

Schick uns die Not,
Eh' unser Herz erschlafft.
Gib täglich Brot
Jedem, der sich's erschafft.

Schür uns die Freud'!
Hell brennt die Sonn' ins Feld!
All sind wir reiche Leut'
Auch ohne Geld!

Hilf, dass der rechte Mann
Die rechte Frau sich find',
Und segne beiden dann
Ein Krippenkind.

Carl Zuckmayer
1896-1977

Mensch ärgere dich nicht


mensch ärgere dich nicht

Mensch ärgere dich nicht

Wieder sind die Würfel gefallen,
wieder wurde ich hinausgekegelt,
wieder stehe ich am Anfang und warte ich
auf die richtige Zahl für den Neubeginn,
wieder sehe ich andere vorbeieilen, vorankommen,
während ich hier stehe,
wieder werde ich versuchen voranzukommen,
ohne andere hinaus zu werfen.
Es wird nicht immer klappen,
doch ich bemühe mich.

Aber
wenn ich aufhöre zu würfeln,
nicht stets aufs Neue beginne,
wenn ich nicht mit jeder Sechs meine Chance ergreife,
dann werde ich nirgends ankommen.
Dann werde ich da zurückbleiben, wo ich jetzt bin.
Es ist MEINE Verantwortung.

Den Fall der Würfel kann ich nicht beeinflussen,
die Züge der anderen nicht bestimmen oder voraussagen,
das Spielfeld nicht verlassen.
Die Regeln sind festgelegt,
und auch die Spielfarbe ist mir vorgegeben.

Doch
wie lange ich mitspiele,
wie oft ich neu beginne,
mit wem ich spiele -
bestimme immer ICH!

© Mario Andersch

Die LYRIC GALLERY

Liebe Lyrik-Freunde!
Leider habe
ich in den letzten Jahren
viel zu wenig Zeit
für diese Seite gefunden.
Deshalb werde ich sie nun
"einfrieren“.
Da aber so viele schöne
Texte drauf sind,
lösche ich sie nicht,
sondern bestücke sie
nur nicht weiter.
Viel Freude beim
Immer-Wieder-Lesen!

Eure evelyne w.

Kommentare

Josef Mühlbacher Schock
Ich hab mich von dem Schock noch gar nicht erholt,...
Josef Mühlbacher (Gast) - 27. Okt, 18:24
auf dem kreuzweg
auf dem kreuzweg es trägt die zeit das kreuz beugt...
lyria - 3. Apr, 10:24
und steigt der eros aus...
und steigt der eros aus dem weinberg und aus dem...
evelyne w. - 23. Mai, 22:53
Ein blauer Ostergruß
Ein blauer Ostergruß Die Nacht war hell Reale Träume jagten...
evelyne w. - 30. Mär, 14:22
zum ende hin
zum ende hin will ich mich hoch strecken dir entgegen...
evelyne w. - 12. Feb, 21:32

Links


















User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Status

Online seit 7559 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Feb, 11:54

achim amme
adelbert von chamisso
alexander puschkin
angelika donant
angelika gentgen
anja millen
anne michallik
annette gonserowski
anton wildgans
beatrix brockman
birgit heid
birute rosemann
björn lindt
bruni markert
bruno meier
christa issinger
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren