Guten Morgen mein Stern
Guten Morgen, mein Stern,
du träumst ja noch,
ich will dich auch nicht stören,
will reglos liegen neben dir,
dich leise atmen hören.
Nur mit den Augen möchte ich
dich überall berühren,
und wenn du etwas näher rückst,
auch deine Wärme spüren.
Kaum hörbar flüsternd werde ich
der Nacht den Schleier rauben,
deck dich mit meiner Liebe zu,
du mußt es nur erlauben.
© Petra Kollwitz

Abendgefühl
Friedlich bekämpfen
Nacht sich und Tag.
Wie das zu dämpfen,
Wie das zu lösen vermag!
Der mich bedrückte,
Schläfst du schon Schmerz?
Was mich beglückte,
Sage, was war's doch, mein Herz?
Freude, wie Kummer,
Fühl ich zerrann,
Aber den Schlummer
Führten sie leise heran.
Und im Entschweben,
Immer empor,
Kommt mir das Leben
Ganz, wie ein Schlummerlied vor
Christian Friedrich Hebbel
1813-1863


morgen
sanft küsst der junge tag
die altersmüde nacht
legt morgenröte auf ihre wangen
und ehe du noch nachgedacht
hat licht des neuen dich umfangen
und im ewigen spiel der zeit
bist auch du gefangen
© heinz spicka

Was du bist
Du bist nicht
was du tun willst
Du bist das
was du tust
Du bist nicht
was du sagst
Du bist das
was du tust
Du bist nicht
was du denkst
Du bist das
was du tust
Du bist nicht
einfach
was du bist
Du bist das
wofür du dich entscheidest
es zu tun
© evelyne weissenbach

Wer je gelebt in Liebesarmen
Wer je gelebt in Liebesarmen,
Der kann im Leben nie verarmen,
Und müsst er sterben fern, allein,
Er fühlte doch die sel'ge Stunde,
Wo er gelebt an ihrem Munde,
Und noch im Tode ist sie sein.
Theodor Storm
1817-1888
Bittersüße Sehnsucht
Umarmung
unter den hohen Buchen
am Steilhang
nahe dem schlafenden Meer,
dort,
wo Windröschen
alte Pfade säumen.
Küsse
bei den Fischerkähnen,
die, seit Jahren pensioniert,
traurig ächzend
am Strand
von hoher Seefahrt
nur noch träumen.
Nachts
ist es hier menschenleer,
nur der Wind
flüstert mit deiner Stimme,
wenn ich
neben meinem Schatten
liege.
Mondschein bewacht
unruhigen Schlummer.
Im kühlen Sand
beim alten Kahn
ist die Luft würzig
und es riecht nach Teer.
Ich vermisse dich
so sehr ....
© Petra Kollwitz

Sonnenträume
Die Sonne schien
durch das Blattwerk,
da träumte ich
Kirschen an die Zweige,
da träumte ich
Kirschen an Deinen Mund,
da träumte ich Träume,
da träumte ich Erwachen,
da vergrub ich den Kirschkern
im Erdreich.
© Annette Gonserowski

wirst du da sein?
wirst du da sein?
in allen fragen
und ängsten
mich halten
wenn masken fallen
wirst du hinsehen
wenn schmerz das gesicht
verzerrt
weitergehen auch dann
wenn ich umkehren will
wirst du mich tragen
lassen wofür meine kraft reicht
und schweigen mit mir
wenn worte nichts sagen
können wir auch dann noch
einander nahe sein
wenn fremdsein
uns trennt
wirst du da sein
in meinem gestern
vor dem mein morgen
verstummt
am ende
wirst du da sein?
© claire delalune


Das leise Lied meiner Liebe
Deine Augen, oh Du meine Geliebte,
sind die Augen der Liebe, Feuer und
Glut, Deine Augen sind Lichter
in der Dunkelheit, Du bist die Rose,
die ich liebe, Du bist das Morgenlächeln,
in meinem sehnsuchtsvollen Herzen,
Du bist die Blütenschale aus der ich trinke,
Du bist das leise Lied meiner Liebe.
© fhoelder

Herbstrosen im Mai
Mein Gefühl
Ist wie die Rosen
Samtig und rot
Und aus meinem Lebensstrauß
Wähltest du die schönste aus
Mit nur winzigkleinen Dornen
Und mit satten grünen Blättern
Die all den Jahren
Und all den Wettern
Standhielt
Um im Herbst
Für dich zu blühen
Dein Gefühl
Ist wie die Rosen
Kräftig und gelb
Und aus deinem Lebensstrauß
Wähltest du eine sehr schöne aus
Mit immergrünen Blättern
Und mit festem starkem Stiel
Die ihren Jahren
Und Wettern will
Trotzen
Um im Mai
Für mich zu blühen
© evelyne w.

frühlingsgefühle
in diesen tagen
fühle ich mich
stark die welt
sie ist in mir
und ich bin in
der welt alles
kann ich tun ich
bin die sonne
bin das licht
unmögliches
gibt es nicht
© iggy

Liebeslied
Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deineTiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
Rainer Maria Rilke
1875-1926

Ostern
Ja, der Winter ging zur Neige,
holder Frühling kommt herbei,
lieblich schwanken Birkenzweige,
und es glänzt das rote Ei.
Schimmernd wehn die Kirchenfahnen
Bei der Glocken Feierklang,
und auf oft betretnen Bahnen
nimmt der Umzug seinen Gang.
Nach dem dumpfen Grabchorale
Tönt das Auferstehungslied,
und empor im Himmelsstrahle
schwebt er, der am Kreuz verschied.
So zum schönsten der Symbole
Wird das frohe Osterfest,
dass der Mensch sich Glauben hole,
wenn ihn Mut und Kraft verlässt.
Jedes Herz, das Leid getroffen,
fühlt von Anfang sich durchweht,
dass sein Sehnen und sein Hoffen
immer wieder aufersteht!
Ferdinand von Saar
1833-1906
Wir wünschen allen unseren Lesern ein
wunderschönes Osterfest!

Wieder Frühling
Langsam nur
verblasst die Erinnerung
an unseren Frühling
Nie war das Gras grüner
nie der Himmel näher
nie wieder werde ich
diese Worte finden
Und doch
ist es wieder Frühling
die Erde weich
unter meinen Schritten
Ich gehe weiter
die Erinnerung bleibt
zurück
© Gerhard Rombach