
wort für wort
die muse, die mir einst
den arsch geküsst
ist längst schon fort
ich weiß nun
dass sie eine hexe ist
nur auf verdammnis aus
sie gaukelt einen
wort für wort
in eine welt, die alles,
alles will und nichts
verspricht
(außer der seele not)
die saugt und saugt
bis fäulnis jedes wort
befleckt und spitze zungen
dornenreich
durchs ohr ins hirn vordringen
blutend flüsternd
vom einzig wahren wort
doch mein geist
ist längst schon fort
wort für wort
© otto lenk

und doch …
unglaublich
sagst du
und schüttelst den kopf
und doch
es gibt diese wärme
und berührung
auch über die entfernung
mehr als gedanken
nähe
im herz
© claire delalune

weihnachtsweiß
weiß liegt der schnee
schnee-weiß!
die graue stadt ist fern
und auch der trubel
das gedröhn
die hast
und ihr gestöhn
die ruhe wächst
aus schneebedecktem wein
mein herz
es atmet stille
mein blick sieht freiheit
schönheit
winterliche pracht
und tief aus mir
blüht weihnachtsfrieden
in die heilige nacht
© evelyne w.
liebe lyrikfreunde!
euch allen ein
friedliches weihnachtsfest und
ein liebevolles neues jahr!
Kompensation
Und ich
hülle mich in dein Handtuch
Und ich küsse
deine Zahnbürste
Sehe aus meinem Weihnachtsstern
Fliederblüten wachsen
Fasse den Kieselstein
der aus deinem Stiefel gefallen ist
in eine Umrahmung aus Licht
Und hänge ihn an die
goldene Kette meiner Sehnsucht
Oder
küsse ich
den Kieselstein?
Hülle das Handtuch
in meinen Weihnachtsstern?
Umrahme meine Sehnsucht
mit goldenen Fliederblüten?
Und bürste meine Zähne
mit der Erinnerung an deine Küsse?
Egal -
Denn in Wahrheit
liebe ich
das Licht
das aus deinem Stiefel
auf meinen Weg fällt
© evelyne w.
herbstzeitgelöst
blattlos gebäumt
in den wind gereckt
nebelumflossen
kahlschwarz geschleckt
rotgelb gestraucht
in den wein gerauscht
träumebetrunken
wünsche gebauscht
herbstzeit gelöst
in die liebe getaucht
regengeküsst
himmel behaucht
© lylo

geschriebenes geschenk
liebste,
mein
deine worte berühren
ach so tief
in mir
mein herz
so warm
all meine gedanken
mag ich dir schicken
zum himmel hoch
den sternen
in den schoß legen
und sternenstaub
in deine träume rieseln
mögen sie kühlen
an heissen sonnentagen
dir spenden ein
wohlfühl-lächeln
im winterkalten
mit all der liebe
die ich
zu schenken vermag
aus meinem herzen
ach, mein lieb
süßeste
wärest du bei mir
wir könnten
spielen im garten
mit den schmetterlingen
uns dem rosenduft
hingeben
verführen lassen
fliegen
durch himmelsblau
dein,
dich vermissender
© sternenpferd

Kein Trost
Meinen Brieftauben
sind die Flügel beschnitten
meine Worte
verweht der Wind
Wer soll dich jetzt trösten
wenn du traurig bist
und von wem
sollst du träumen
wenn du Sehnsucht hast?
© Gerhard Rombach

Herbsttag
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke
1875-1926

Herzförmig
Herzförmige Gedanken
die auf Blütenmeeren schwanken
Sternschnuppen
die in meine Wünsche fallen
Träume
die sich aus rosa Wolken ballen
Erwachen
das wie Morgentau glänzt
Freude
die die Schule des Lebens schwänzt
Lachen
das sich wie Perlen reiht
Zeit
als Beginn der Ewigkeit
Tränen
die wie Glühwürmchen blinken
Feuer
die in der Sonne versinken
Ein Engel
der durch das Zimmer geht
Regen
der nur aus Rosen besteht
Feenhände
die Worte schenken
Sternchen
die das Schicksal lenken
Himmel
der vor mir niederkniet
Ich glaube fast…
Ich bin verliebt!
© evelyne w.
Müßiggang
Müßig war die Nacht
Kein Mond
Kein Stern
Kein Schmetterling
Der mich besuchte
Niemand
Der mich nach dem Weg fragte
So durchstreifte ich die Stunden
Ohne ein Wort zu sagen
Ohne ein Wort zu schreiben
Der Morgen kam
Kein Sonnenstrahl
Der mich küsste
So blieb ich stumm
© Wolfgang Schulze
Mauern aus Klatschmohn
Mauern aus Klatschmohn
Lassen den Blick
Erröten
Bist du es -
Was mich so
Bedenklich traurig
Macht
Oder habe ich nur
Meine einsamen Augen
Zu tief in die Sterne
Gehalten
Die saftigen Felder
Wie still ihr doch
An mir vorüber
Geht
Und der Himmel
Reicht uns ein Licht
Dem wir glauben
Bist du es –
Oder ich
© Ulrich P. Hinz
Dem aufgehende Vollmonde
Willst du mich sogleich verlassen?
Warst im Augenblick so nah!
Dich umfinstern Wolkenmassen
Und nun bist du gar nicht da.
Doch du fühlst, wie ich betrübt bin,
Blickt dein Rand herauf als Stern!
Zeugest mir, daß ich geliebt bin,
Sei das Liebchen noch so fern.
So hinan denn! hell und heller,
Reiner Bahn, in voller Pracht!
Schlägt mein Herz auch schmerzlich schneller,
Überselig ist die Nacht.
Johann Wolfgang von Goethe
1749-1832
Warteschleife
Ich frage dich -
Du antwortest nicht
Ich halte dich -
Du entfernst dich
Ich sorge mich -
Du meldest dich nicht
Jetzt hast du mich zu lange warten lassen
Die Warteschleife wählt eine andere Verbindung
© Sabine Fenner
Von Dir erzählte mir der Mohn
Von Dir erzählte mir der Mohn,
sich wiegend zwischen reifen Ähren –
sang seine Blüten-Weise schon
von Sonne, die den Traum wohl nähren
und wärmen wird. Sein satter Ton
umspielt des Hoffens zartes Wehen
Von Dir sang mir sein Rot wohl schon
und von ganz neu beglücktem Sehen.
© Petra Ohl